Mehrere Ladepunkte bedeuten nicht automatisch, dass jederzeit deren gesamte Nennleistung abgerufen wird. Trotzdem kann gleichzeitiges Laden den Strombezug eines Standorts deutlich verändern. Für die Planung zählt deshalb nicht nur die Anzahl der Ladepunkte, sondern vor allem, wann Fahrzeuge tatsächlich angeschlossen werden und welche weiteren Verbraucher gleichzeitig am Standort aktiv sind.
Eine belastbare Planung verbindet deshalb den bestehenden Stromverbrauch mit den tatsächlichen Ladeanforderungen des Fuhrparks. So lässt sich besser einschätzen, wann zusätzliche Last entsteht und welche Flexibilität beim Laden überhaupt vorhanden ist.
Den bestehenden Verlauf als Ausgangspunkt nutzen
Bevor neue Ladepunkte geplant werden, lohnt sich ein Blick auf die bisherige Stromnutzung des Standorts. Der vorhandene Lastverlauf kann wichtige Hinweise auf bereits bestehende Belastungsspitzen und ruhigere Zeiträume geben.
Lastgang richtig einordnen
Ein Lastgang zeigt zunächst die bisherige Nutzung am betrachteten Zähler. Er kann sichtbar machen, zu welchen Zeiten hohe Leistungen abgerufen werden und wann der Strombedarf geringer ausfällt.
Daraus entstehen weitere Fragen für die Ladeplanung: Treffen Fahrzeugankunft und Produktionsbeginn zusammen? Gibt es bereits hohe Lasten während der geplanten Ladezeiten? Welche Abfahrtszeiten begrenzen die verfügbare Flexibilität?
Bestehende Lasten berücksichtigen
Die Ladeinfrastruktur sollte nicht isoliert betrachtet werden. Produktionsanlagen, Lüftung, Kälteanlagen, Beleuchtung oder andere elektrische Verbraucher können gleichzeitig mit den Fahrzeugen betrieben werden.
Erst die Betrachtung des gesamten Standortverbrauchs zeigt, wie sich zusätzliche Ladeleistung auf die bestehende Last auswirken kann.
Technische Planung nicht durch den Lastgang ersetzen
Der historische Lastverlauf liefert eine wichtige Grundlage, stellt jedoch noch keine vollständige Auslegung der Ladeinfrastruktur dar.
Anschlussbedingungen und Schutztechnik beachten
Anschlussbedingungen, Schutztechnik und die technische Auslegung der Ladeinfrastruktur müssen fachgerecht geplant werden. Dabei sind die tatsächlichen technischen Voraussetzungen des Standorts zu berücksichtigen.
Eine Lastganganalyse kann dabei Informationen für das Fachgespräch liefern, ersetzt aber keine technische Prüfung der konkreten Installation.
Zukünftiges Wachstum einplanen
Auch die Entwicklung des Fuhrparks sollte berücksichtigt werden. Wenn in den kommenden Jahren zusätzliche Fahrzeuge hinzukommen, kann sich die Ladeanforderung deutlich verändern.
Eine Planung, die ausschließlich den heutigen Fuhrpark betrachtet, kann deshalb bereits bei der Erweiterung an ihre Grenzen kommen. Sinnvoll ist es, absehbare Veränderungen frühzeitig zu dokumentieren.
Daten für das Fachgespräch vorbereiten
Eine gute Datengrundlage erleichtert die Abstimmung zwischen Unternehmen, Energieplanung und technischer Fachplanung.
Lastgangdaten verständlich auswerten
Die Lastgangauswertung bei OPTUM erleichtert es, vorhandene Messdaten sichtbar und besprechbar zu machen. Besonders hilfreich ist die Verbindung zwischen dem zeitlichen Verlauf und auffälligen Lastspitzen.
So kann ein Unternehmen konkrete Beobachtungen in die weitere technische Abstimmung einbringen, anstatt ausschließlich mit Durchschnittswerten zu arbeiten.
Ladezeiten und Standzeiten erfassen
Ergänzend sollten typische Standzeiten und notwendige Energiemengen der Fahrzeuge erfasst werden. Ein Fahrzeug, das bereits nach einer Stunde wieder benötigt wird, bietet andere Möglichkeiten als ein Fahrzeug mit langer nächtlicher Standzeit.
Auch die tatsächlichen Einsatzzeiten können für die Planung relevant sein. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Energie ein Fahrzeug benötigt, sondern auch, in welchem Zeitraum diese Energie verfügbar sein muss.
Eine Beispielwoche vollständig betrachten
Eine Planung ausschließlich anhand des stärksten Tages kann ebenso einseitig sein wie der Blick auf einen besonders ruhigen Tag. Aussagekräftiger kann eine typische Woche mit unterschiedlichen Nutzungen sein.
Unterschiedliche Betriebstage vergleichen
Bei einer Beispielwoche sollten unterschiedliche Nutzungssituationen berücksichtigt werden. Dazu können normale Arbeitstage, Tage mit hoher Auslastung und besondere betriebliche Situationen gehören.
Auch außergewöhnliche Anforderungen sollten ausdrücklich benannt werden. Dazu zählen beispielsweise besonders frühe Abfahrten, zusätzliche Fahrzeuge oder veränderte Schichtzeiten.
Gleichzeitigkeit realistisch betrachten
Die entscheidende Frage lautet nicht nur, wie viele Ladepunkte vorhanden sind. Vielmehr sollte betrachtet werden, wie viele Fahrzeuge tatsächlich gleichzeitig laden müssen und welche anderen elektrischen Verbraucher währenddessen aktiv sind.
Dadurch lässt sich die tatsächliche Gleichzeitigkeit besser einschätzen, anstatt pauschal die maximale Leistung aller Ladepunkte anzusetzen.
Mobilitätsbedarf und Standortlast zusammenführen
Der historische Lastgang liefert den bisherigen Standortbezug. Der Fuhrpark ergänzt diese Informationen um die zukünftigen Ladeanforderungen.
Historische Daten mit zukünftigen Anforderungen verbinden
Erst gemeinsam entsteht ein brauchbares Bild der möglichen Belastung. Dabei sollte berücksichtigt werden, welche Fahrzeuge wann am Standort verfügbar sind und welche Energiemengen bis zur nächsten Abfahrt benötigt werden.
So kann vermieden werden, dass theoretisch freie Zeitfenster für das Laden eingeplant werden, obwohl die Fahrzeuge zu diesen Zeiten tatsächlich nicht am Standort stehen.
Flexibilität realistisch einschätzen
Nicht jedes Fahrzeug kann jederzeit flexibel geladen werden. Ein enger Abfahrtszeitpunkt begrenzt den verfügbaren Zeitraum stärker als eine lange Standzeit über Nacht.
Deshalb sollte die Planung zwischen festen Ladeanforderungen und tatsächlich verschiebbaren Ladevorgängen unterscheiden.
Annahmen transparent dokumentieren
Für das Fachgespräch ist es hilfreich, offene Annahmen ausdrücklich zu markieren. Nicht jede Planungsgröße basiert bereits auf dokumentierten Einsatzdaten.
Schätzungen von Messdaten trennen
Eine geschätzte tägliche Fahrleistung hat einen anderen Stellenwert als dokumentierte Einsatzdaten. Beide Informationen können für eine erste Planung nützlich sein, sollten jedoch klar voneinander unterschieden werden.
Dadurch bleibt nachvollziehbar, welche Angaben bereits belastbar sind und welche später noch überprüft werden müssen.
Planung später mit der Realität abgleichen
Nach der Inbetriebnahme kann die tatsächliche Nutzung mit den ursprünglichen Annahmen verglichen werden. So lässt sich feststellen, ob Fahrzeuge tatsächlich zu den erwarteten Zeiten geladen werden und ob die angenommene Gleichzeitigkeit eingetreten ist.
Diese Rückmeldung kann für spätere Anpassungen der Ladeplanung und des Energiemanagements genutzt werden.
Eine gute Lösung verbindet Mobilität und Energie
Die Ladeplanung sollte nicht einfach darauf ausgerichtet sein, möglichst viel Strom in bestimmte Zeitfenster zu verschieben. Entscheidend ist vielmehr, die Anforderungen des Fuhrparks mit den technischen und betrieblichen Bedingungen des Standorts zu verbinden.
Fahrzeuge einsatzbereit halten
Das Laden muss so organisiert werden, dass die benötigte Energie rechtzeitig zur Verfügung steht und die Fahrzeuge ihre vorgesehenen Aufgaben erfüllen können.
Ein möglichst niedriger Leistungsbezug ist deshalb nicht automatisch das alleinige Ziel. Die Mobilitätsanforderungen müssen weiterhin erfüllt werden.
Technische Grenzen einhalten
Gleichzeitig müssen die technischen Grenzen des Standorts berücksichtigt werden. Lastmanagement und weitere technische Maßnahmen können dabei eine Rolle spielen, müssen jedoch auf die konkreten Bedingungen des Standorts abgestimmt werden.
Fazit: Gleichzeitigkeit frühzeitig berücksichtigen
Eine belastbare Ladeplanung beginnt nicht allein mit der Anzahl der Ladepunkte. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus bestehender Standortlast, Fahrzeugverfügbarkeit, Ladebedarf und zukünftiger Entwicklung des Fuhrparks.
Die Lastganganalyse liefert dafür einen wichtigen Teil der Ausgangsdaten. Ergänzt um typische Standzeiten, tatsächliche Einsatzdaten und geplante Veränderungen entsteht eine bessere Grundlage für die technische und energetische Abstimmung.
Eine gute Lösung verbindet Mobilitätsbedarf und Standortlast. Sie berücksichtigt, wann Fahrzeuge geladen werden können, wann sie einsatzbereit sein müssen und welche weiteren Verbraucher gleichzeitig am Standort betrieben werden.
